Tunesien im November 2024

Eine Golfreise ohne Golf

Sollte man auf eine Golfreise gehen, wenn man verletzungsbedingt gar nicht golfen kann?

Da Martin fit war und ich Lust auf Sonnenstrahlen hatte, dachte ich mir: So ein Cluburlaub ist bestimmt auch mal ganz nett – und schon ging es los. Eine Woche Tunesien, genauer gesagt nach Hammamet, rund eine Autostunde südlich von Tunis, direkt in ein schönes Strandhotel: das Mirage.

Wie üblich war der Start verspätet, aber nach zweistündigem Flug kamen wir mitten in der Nacht an. Als Transport wartete ein kurzer VW-Multivan – für neun Personen mit Gepäck und Golfbags. Der Fahrer versuchte es zunächst optimistisch („Kein Problem, das passt“), während wir staunend daneben standen. Am Ende starteten vier Frauen mit dem Gepäck; für die Männer kam ein zweites Auto.

Pool, Strand und die Sache mit den Handtüchern

Die Hotelanlage war sehr nett: kleine Bungalows, toller Service. Gleich am nächsten Morgen zogen alle Golfer los – und ich wollte einen auf Poolschönheit machen. Dachte ich. Freie Liegen gab es nämlich keine. So lernte ich, dass nicht nur der deutsche Urlauber (von denen hier fast keiner war, dafür Franzosen und Russen) morgens fanatisch sein Handtuch auf die Liege legt.

Also gut, dann eben an den Strand. Hauptsaison war vorbei, einen blitzsauberen Strand durfte man da nicht mehr erwarten. Die unvermeidlichen Kameltreiber und Handtuchverkäufer waren trotzdem da – immerhin gab es Security, sodass man sich noch einigermaßen entspannt hinlegen konnte.

Mein Plan, die Tage faul am Pool zu verbringen, ging also nicht auf. Kurzerhand habe ich mir über GetYourGuide eigene Ausflüge zusammengestellt.

Medina und Basar von Hammamet

Am nächsten Tag standen eine Führung durch die alte Medina von Hammamet und danach ein Besuch des großen neuen Basars auf dem Programm. Ich – eine Frau, allein unter lauter Fremden, blond. Nach all den Horrorgeschichten im Vorfeld war ich etwas nervös. Doch es war völlig in Ordnung: Sowohl die Führung als auch der anschließende Basarbesuch gingen ganz entspannt vor sich.

Kleiner Tipp zum Handeln: erst einmal ein unverschämt niedriges Gegenangebot machen – und mit Dollar oder Euro locken, dann gibt es die besseren Schnäppchen.

Kairouan, El Jem und uralte Mosaiken

Einen Tag legte ich noch in der Anlage ein – ohne Poolliege, dafür mit Wellnessprogramm; wirklich meine Urlaubsart ist das nicht. Dann aber stand der nächste, große Ausflug an: einen ganzen Tag lang zum Mausoleum von Sidi Sahbi, in die heilige Stadt Kairouan mit ihrer Großen Moschee, in eine alte römische Villa und ins Kolosseum von El Jem.

Das Mausoleum selbst durften Nicht-Muslime nicht betreten – nur die Räume und Flure ringsherum. Die Moschee in Kairouan ist die viertheiligste Stätte des Islam; vorab wurde um angemessene Kleidung und eine Kopfbedeckung gebeten. Man glaubt es kaum, aber das hielt einige Damen nicht davon ab, bauchfrei und in sehr kurzen, abgeschnittenen Jeansshorts herumzulaufen.

Die römische Villa war ein Highlight: wahnsinnig aufwändige Mosaiken, erstaunlich gut erhalten und schon tausende Jahre alt. Der eigentliche Höhepunkt aber war das Kolosseum von El Jem. Wenn man sich vorstellt, wie hier einst die Gladiatoren durch die Gänge liefen und unter der Arena hausten – einfach beeindruckend.

Tunis, Karthago und Sidi Bou Saïd

Für den letzten Tag hatte ich Begleitung, und so buchten wir eine private Tour. Nur heißt „privat“ nicht unbedingt wirklich privat: Mit dabei war noch ein fremdes Pärchen, das ebenfalls eine private Tour gebucht hatte. Zweimal privat ergibt eben eine große private Tour – logisch, oder?

Es ging nach Tunis und in dessen Medina, weiter nach Karthago und schließlich auf die Märkte von Sidi Bou Saïd.

Fazit

Im November war es in Tunesien noch richtig warm – wir saßen beim Essen immer draußen, und am Abreisetag haben wir morgens bei 30 Grad gefrühstückt.

Natürlich war auch der Rückflug unpünktlich, aber das hatten wir längst erwartet. Einmal möchte ich auf jeden Fall zurückkommen. Ganz ohne Golfen – das geht dann doch nicht.

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