Sardinien im August 2024
Zwischen Traumstränden, Bergdörfern und stürmischer Westküste
Alle machen Urlaub. Wirklich alle. Vor allem rund um Ferragosto, Maria Himmelfahrt Mitte August, scheint halb Italien Richtung Meer aufzubrechen – und bevorzugt natürlich auf die Inseln. Genau zu dieser Zeit zog es auch uns nach Sardinien.
Wie fast immer hatten wir nur die ersten beiden Nächte fest gebucht. Der Rest? Offen. Einfach losfahren, schauen, bleiben, weiterziehen. Genau so reisen wir am liebsten.
Nach der Landung in Olbia ging es mit dem Mietwagen über die Schnellstraße Richtung Budoni. Unser kleines Boutiquehotel lag nur wenige Minuten vom Strand entfernt. Türkisfarbenes Wasser, flirrende Hitze, Sonne ohne Ende – Sardinien zeigte sich direkt von seiner schönsten Seite.
Am ersten Abend natürlich ans Meer zum Essen. Vorspeise, Primi Piatti, Secondi Piatti, Dessert – und danach Fernet. Serviert im Wasserglas. Willkommen in Italien.
Traumstrände und Menschenmassen
Am nächsten Tag fuhren wir die Ostküste hinauf Richtung San Teodoro. Orte wie Cala Brandinchi oder Capo Coda Cavallo sehen auf Bildern fast unwirklich aus – und in echt ehrlich gesagt genauso. Feiner weißer Sand, glasklares Wasser, kleine Buchten.
Allerdings hatten wir die Rechnung ohne Ferragosto gemacht. Die Strände waren komplett überfüllt. Schon die Zufahrten waren schwierig, Parkplätze praktisch unmöglich zu bekommen. Traumhaft schön – aber eben nicht nur für uns.
Durch Sardiniens wildes Hinterland
Also weg von der Küste und hinein ins Landesinnere Richtung Urzulei.
Unterwegs machten wir noch einen kleinen kulturellen Zwischenstopp bei der Tomba dei Giganti. Dafür ging es erst einmal durch jede Menge Sandpisten. Ganz nett – aber der Umweg war am Ende nicht wirklich lohnenswert.
Dafür begann danach einer der schönsten Abschnitte der Reise: die Fahrt über die SS125. Eine absolute Traumstraße. Kurven durch spektakuläre Berge, kleine Bergorte, schroffe Felsen und ständig neue Ausblicke. Motorradfahrer lieben diese Strecke – und das merkt man auch. Man sollte hier definitiv aufmerksam fahren.
Urzulei selbst ist ein kleines Bergdorf, bekannt für die vielen kunstvollen Wandbilder an den Hausfassaden. Ruhig, ursprünglich und völlig anders als die überfüllte Küste.
Die Gorropu-Schlucht – und unsere überschätzten Kräfte
Direkt an der SS125 liegt das Gorropu Hotel – einfach, aber mit fantastischer Küche.
Von dort starteten wir früh morgens zur Wanderung in die Gorropu-Schlucht. Drei Stunden bergab durch eine beeindruckende Landschaft. Die Schlucht gilt als eine der spektakulärsten Europas – und das völlig zurecht.
Leider hatte es nach 18 Monaten Trockenheit plötzlich geregnet. Deshalb war die Schlucht selbst gesperrt und nicht begehbar. Wir konnten nur den Einstieg erleben – aber allein das war beeindruckend genug.
Weniger beeindruckend war unsere Selbsteinschätzung. Der Rückweg bergauf hatte es in sich. Zum Glück konnten wir irgendwann auf Jeeps umsteigen, die uns im strömenden Regen zurück nach oben brachten.
Bootstour entlang der Steilküste
Weiter ging es nach Arbatax. Ein entspannter kleiner Hafenort – perfekt als Ausgangspunkt für eine der schönsten Touren der Reise.
Mit einem dieser typischen Touristenboote (inklusive Tanz, Musik und Animateur) machten wir eine zehnstündige Fahrt entlang der Ostküste bis zur Grotta del Bue Marino. Dazwischen lagen all die berühmten Calas: Cala Mariolu, Cala Luna, Cala Sisine. Weiße Kieselstrände, türkisfarbenes Wasser und steile Felswände direkt dahinter.
Die Grotta del Bue Marino selbst – eine riesige Tropfsteinhöhle direkt am Meer – war ebenfalls absolut sehenswert.
Ein Schloss am Meer
Später fuhren wir weiter Richtung Tertenia.
Irgendwann sagte Martin plötzlich: „Ich glaube, ich sehe links ein Schloss.“
Ich antwortete: „Nein, mein Schatz. Du siehst unser nächstes Hotel.“
Und tatsächlich sah das Gebäude eher nach Märchenschloss als nach Unterkunft aus.
Von der ruhigen Ostküste zur wilden Westküste
Nun wollten wir die Seite der Insel wechseln. Weg von der beliebten Ostküste, hinüber zur deutlich raueren Westküste.
Auf dem Weg bot sich ein Zwischenstopp in Cagliari an. Die Altstadt liegt hoch am Berg – glücklicherweise entdeckte Martin schnell die Aufzüge, sodass wir uns den anstrengenden Aufstieg sparen konnten.
Cagliari überraschte uns total: enge Gassen, schöne Plätze, kleine Cafés und dieses typisch italienische Stadtgefühl irgendwo zwischen Gelassenheit und Chaos.
Danach ging es weiter nach Portixeddu. Das Meer war hier komplett anders als im Osten. Keine ruhigen türkisfarbenen Lagunen mehr, sondern Wellen, Wind und eine deutlich wildere Küste. Nicht weniger schön – nur rauer und ursprünglicher.
Glamping – Luxuszelten mit Überraschungen
An der Küste entlang machten wir Halt in Portu Maga und fuhren anschließend wieder ins Landesinnere zu unserem ersten Glamping-Erlebnis.
Für alle, die genauso ahnungslos waren wie wir:
Glamping bedeutet Luxuscamping. Große Zelte, richtige Betten, stilvolle Einrichtung – und angeblich eigenes Bad.
Das „eigene Bad“ muss allerdings nicht zwingend direkt am Zelt liegen. Das lernten wir dort ebenfalls.
Trotzdem war es unglaublich entspannend. Absolute Ruhe, Natur und eine Hängematte direkt vor dem Zelt.
Zurück nach Budoni
Zum Abschluss wollten wir noch Freunde treffen und kehrten deshalb zurück nach Budoni. Es folgten weitere Tage am Meer, Ausflüge mit dem Segelboot – absolut empfehlenswert – und natürlich noch mehr Schwimmen im warmen Wasser.
Fazit: Sardinien überrascht
Obwohl absolute Hochsaison war, fanden wir die Preise überraschend normal. Ein Espresso auf dem Marktplatz in Cagliari kostete etwa 2,50 Euro, eine Pinsa rund 9 Euro.
Die Ostküste ist ohne Frage die spektakulärere Seite der Insel – allerdings auch deutlich voller. Wer das Meer wirklich genießen möchte, sollte unbedingt ein Boot mieten oder eine Bootstour machen. Erst dann entdeckt man die kleinen Buchten fernab der Massen.
Besonders in Erinnerung geblieben sind uns aber die Menschen. Freundlich, hilfsbereit und angenehm unkompliziert. Auffällig war auch, dass nur wenige internationale Touristen unterwegs waren. Sardinien fühlte sich dadurch deutlich italienischer an als viele andere Mittelmeerziele.
Die Insel selbst leidet sichtbar unter dem Wassermangel. Obwohl es während unseres Aufenthalts überraschend dreimal regnete – nach 18 Monaten Dürre – waren Flüsse ausgetrocknet und große Teile des Landesinneren braun und trocken.
Und trotzdem:
Diese Küsten, diese Strände und dieses Wasser gehören zu den schönsten, die wir je gesehen haben.




























































































































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