Sizilien im November 2025
Zwischen Lava, Luxus und kleinen Katastrophen
Die erste Frage vor der Reise war schnell gestellt: Ist es dort noch warm genug?
Während gefühlt ganz Deutschland zu dieser Zeit Richtung Kanaren oder noch weiter südlich aufbricht, entschieden wir uns bewusst dagegen – und für ein kleines Abenteuer. Rückblickend können wir sagen: Es war nicht nur warm genug, sondern eine unserer schönsten Reisen überhaupt.
Tagsüber erwarteten uns angenehme 22–25 Grad, perfekt für Erkundungen, Spaziergänge und sogar Golf. Abends wurde es allerdings frisch – draußen essen ging noch, aber ohne Jacke keine Chance. Eine ziemlich perfekte Mischung also aus Sommer und Herbst.
Reisen ohne Plan – der eigentliche Luxus
Gebucht wurde nach unserem Lieblingsprinzip: möglichst wenig im Voraus festlegen.
Der einzige Fixpunkt: unser Flug nach Catania, da es in der Nebensaison keinen Direktflug nach Palermo gab. Die ersten zwei Nächte waren organisiert – alles danach entschieden wir spontan. Oft wussten wir am Nachmittag noch nicht, wo wir abends schlafen würden. Überraschend entspannt – und genau das machte den Reiz aus.
Giardini-Naxos – erste Lektion: Bilder lügen
Unser erstes Ziel war Giardini-Naxos. Das Hotel versprach online absolute Idylle direkt am Strand.
Die Realität: Promenadenstraße, dichter Verkehr, Touristenmassen und zwei Kreuzfahrtschiffe in der Bucht.
Kurz gesagt: genau das Gegenteil von dem, was wir gesucht hatten.
Zum Glück war zumindest das Hotel selbst ein Volltreffer – frisch renoviert, tolles Zimmer mit Meerblick, sehr freundliches Personal. Innen top, außen… naja.
Golfen am Ätna – Timing ist alles
Am nächsten Tag wollten wir direkt aktiv werden und gingen am Fuße des Mount Etna golfen. Der Platz war wunderschön – abwechslungsreich, gepflegt und landschaftlich beeindruckend. Unser Fehler war nur die Startzeit am Nachmittag, denn um 17 Uhr wird es dunkel und dann auch richtig kalt. Mit unserer Sommerkleidung schafften wir genau zwölf Löcher, bevor wir halb erfroren aufgaben. Immerhin wurden uns am Ende auch nur diese zwölf berechnet – ein Service, den man nicht überall erlebt.
Taormina – Postkartenidylle im Schnelldurchlauf
Ein absolutes Highlight war Taormina.
Per Seilbahn ging es hinauf in die Stadt, die sich spektakulär über zwei Hügel erstreckt. Enge Gassen, historische Gebäude, ein antikes Theater – überall Postkartenmotive.
Unser einziges Problem war die Zeit: Drei Stunden reichen einfach nicht für diesen Ort. Wir haben viel gesehen – und noch mehr verpasst.
Messina und die Realität der frühen Dunkelheit
Weiter ging es nach Messina. Messina liegt im Nordosten von Sizilien und man kann von hier das Festland Italiens sehen.
Sowohl die Innenstadtgebäude wie auch der Dom mit seinem Glockenturm und Platz davor waren beeindruckend.
Es gab auch die Möglichkeit die alte Krypta unter dem Dom zu besichtigen. Ist nett, aber nicht lohnenswert.
Das eigentliche Highlight war der Glockenturm. Von oben hatte man einen fantastischen Blick über Stadt, Hafen und bis zum italienischen Festland.
Unser Plan, danach noch weiter die Küste entlangzufahren, scheiterte – mal wieder – am Sonnenuntergang.
November auf Sizilien bedeutet: Die Tage sind kurz. Und das beeinflusst die Reiseplanung mehr als gedacht.
Pizza-Magie im Nirgendwo
In Nicolosi landeten wir abends in einer unscheinbaren Pizzeria – von außen eher Kiosk als Restaurant, dafür voll mit Einheimischen. Der Service war leicht chaotisch, die Weißweinflasche kam ohne Kühler, und Weingläser sucht man hier ohnehin vergeblich. Das Essen dafür war herausragend. Für Martin war es die beste Pizza seines Lebens, und ehrlich gesagt könnte er damit recht haben.
Der Ätna – wie ein anderer Planet
Am nächsten Morgen wartete eines der beeindruckendsten Erlebnisse der Reise: der Mount Etna.
Mit Seilbahn und Geländebus ging es hinauf. Oben angekommen fühlte sich alles surreal an: rauchende Erde, schwarzer Lavaboden, Hitze, die aus dem Boden kommt. Wenn man die Hand in den Boden steckte, war er warm. Einfach unglaublich.
Dieser Ort fühlt sich nicht wie Europa an – eher wie eine Mischung aus Mond und Mars.
Bergblick ist nicht gleich Bergblick
Unsere nächste Unterkunft versprach „Bergblick“. Was wir bekamen: direkte Sicht auf eine Felswand hinter der Terrasse, die neben dem Küchenabzug lag. Gnädigerweise konnten wir unser Zimmer tauschen. Das Hotel verstand sich als Wellness-Hotel. Die Nutzung des eigenen Pools sowie der Sauna war nur gegen zusätzliche Gebühren möglich… Lektionen wurden gelernt.
Zur Entschädigung gab es in der Nähe eine tolle Bergruine und der Ort Geraci Siculo lud zum Verweilen ein.
Castelbuono und Kultur mit Überraschungen
Die kleinen Orte im Inland, wie Castelbuono, waren wunderschön – enge Gassen, charmante Plätze und historische Gebäude.
Das Schloss selbst war… speziell. Moderne Kunst in alten Gemäuern – Geschmackssache. Kleine Vorwarnung: von den „Kunstwerken“ gibt es keine Bilder.
Die Kapelle hingegen war atemberaubend.
Auch der abschließende Wein auf dem Schlossplatz war ein Muss.
Cefalù – das Sizilien, das man sich vorstellt
Cefalù war genau das, was man sich erhofft: kleine Gassen, tolles Essen, noch besserer Rotwein auf dem Domplatz, dazu die direkte Lage am Meer und eine lebendige, aber entspannte Atmosphäre. Hier hätten wir problemlos mehrere Tage verbringen können.
Palermo – ein kleiner Schock
Nach Tagen in ruhigen Orten traf uns Palermo wie ein Kulturschock.
Laut, hektisch, voller Geschäfte und Baustellen – wir waren schlicht überfordert.
Vielleicht hätten wir der Stadt mehr Zeit geben müssen – aber unser Gefühl sagte: weiter.
Segesta und Zeitreise in die Antike
In Segesta erwartete uns ein beeindruckender Tempel aus der Antike. Dazu ein gut erhaltenes Theater und Ruinen – Geschichte zum Anfassen.
Weiter ging es zu der Höhle von Mangiapane. Die Grotta Mangiapane ist eine prähistorische Höhle vor der ab 1810 eine Familie Mangiapane ein kleines Dorf aufgebaut hat.
Selbst bei Regen absolut sehenswert.
Tempelberg von Agrigent – Kultur sprinten statt schlendern
Am nächsten Morgen ging’s früh in den Tempelpark von Agrigent – alte Steine, große Geschichte, mal mehr, mal weniger stabil. Weil wir noch golfen wollten, haben wir uns für 3 € ans andere Ende chauffieren lassen und sind dann im sportlichen „Sightseeing-Sprint“ durch die Anlage in nur 1,5 Stunden wieder rausgerannt.
Luxus, Golf und Ernüchterung
Ein teures Golfresort versprach viel. Die Anlage war tatsächlich wunderschön und perfekt gepflegt, spielerisch aber eher langweilig – und dazu richtig teuer. Ein klassischer Fall von schön anzusehen, aber nicht erinnerungswürdig.
Ein perfekter Abend auf einem Weingut
Einer der Höhepunkte der Reise war ein historisches Weingut aus dem 19. Jahrhundert. Ein exzellentes Menü, perfekt abgestimmte Weine und eine einzigartige Atmosphäre – ein Abend, der sich wie ein Film anfühlte.
Ein kleiner Hinweis am Rande: Wenn es schon dunkel ist und Google Maps eine vermeintlich kürzere Strecke vorschlägt, lieber nicht annehmen und auf den Hauptstraßen bleiben!
Syrakus – großes Finale
Über einen typischen Strandort (Pozallo) ging es weiter nach Syrakus. Insbesondere die Altstadt Ortigia, war ein würdiger Abschluss.
Prächtige Gebäude, enge Gassen, Geschichte überall.
Ein Ort, an dem man sich treiben lassen kann – und sollte.
Das Hotel, das alles toppte – leider negativ
Zum Schluss fuhren wir wieder an den Golfplatz vom Anfang – wir wollten ja noch alle 18 Löcher spielen. Übernachtet haben wir im 5-Sterne-Hotel direkt am Platz. Bekommen haben wir schlechtes, überteuertes Essen, einen fragwürdigen Service und – ausgerechnet in Italien – abgestandenen Filterkaffee. Das allein war schon ein Erlebnis.
Und dann: die Rettung
Gerettet hat den Abend ein kleines Restaurant in der Nähe: riesige Portionen, unglaublich lecker, herzliches Personal und lächerlich günstige Preise. Ein perfekter Abschluss – und die Krönung war der Ätna, den wir abends vom Hotel aus sehen konnten.
Fazit: Sizilien im November – unterschätzt und perfekt
Diese elftägige Reise hatte alles: Sonne und angenehme Temperaturen, beeindruckende Natur, historische Highlights, kulinarische Überraschungen und die eine oder andere kleine Katastrophe. Genau diese Mischung macht sie unvergesslich.
Unsere wichtigste Erkenntnis: Die besten Momente entstehen nicht durch perfekte Planung, sondern durch spontane Entscheidungen, kleine Umwege und manchmal auch durch richtig schlechten Kaffee.
Wir kommen wieder, ganz sicher. Aber eins steht fest: nur in der Nebensaison.





























































































































































































































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